Drei Sätze aus einem ganz normalen Onlineshop. Einer davon kann Sie Geld kosten.
Wenn KI Ihre Produkttexte schreibt, schreibt sie schneller, als Sie lesen können. Was ein Fehler im schlechtesten Fall kostet, welcher Termin im September auf Sie zukommt, und wie man eine Bremse einbaut.
Drei Sätze, wie sie auf tausenden Shopseiten stehen:
- „Jetzt nur 89 Euro statt 149 Euro.“
- „Unsere Verpackung ist zu 100 Prozent klimaneutral.“
- „Über 2000 zufriedene Kundinnen bewerten uns mit 5 Sternen.“
Keiner davon klingt gefährlich. Alle drei sind angreifbar.
Der erste, weil bei einer Preisermäßigung der niedrigste Preis der letzten dreißig Tage genannt werden muss und nicht irgendein früherer Preis. Der zweite, weil pauschale Umweltaussagen einen anerkannten Nachweis brauchen. Der dritte, weil Sie dazusagen müssen, ob und wie Sie prüfen, dass die Bewertungen echt sind.
Nichts davon ist neu, und die meisten Shopbetreiber wissen es ungefähr. Das Problem ist nicht das Wissen. Das Problem ist, dass diese Sätze jetzt von einer Maschine geschrieben werden, die dieses Wissen nicht hat, und zwar in einem Tempo, in dem niemand mehr jeden Text liest.
Was passiert, wenn es jemand merkt
Meistens merkt es ein Wettbewerber. Er liest ohnehin Ihre Seite, und ein Satz, den Sie nicht belegen können, ist für ihn ein billiges Werkzeug. Dann kommt Post.
Für Deutschland, wo die meisten Shops aus der Großregion mitverkaufen, sind das die üblichen Größenordnungen:
| Posten | Größenordnung |
|---|---|
| Abmahnkosten der Gegenseite (Anwalt) | 800 bis 1.200 € |
| Abmahnung durch einen Verband | 150 bis 250 € |
| Ihre eigene anwaltliche Prüfung | 800 bis 2.000 € |
| Vertragsstrafe, wenn es noch einmal passiert | ab 1.000 €, je Fall |
| Streitwert, falls es vor Gericht geht | 10.000 bis 30.000 € |
Übliche Spannen im deutschen Wettbewerbsrecht. Ein Streitwert von 15.000 Euro bedeutet nicht 15.000 Euro Kosten, sondern grob vierstellige Gebühren.
Der eigentliche Haken ist nicht die erste Rechnung. Es ist die Unterlassungserklärung, die Sie unterschreiben. Ab dann kostet derselbe Fehler beim nächsten Mal eine Vertragsstrafe, und zwar pro Verstoß. Wenn Ihre KI diesen Satz in dreißig Produkttexten geschrieben hat, ist die Rechnung eine andere.
Ein Detail, das oft falsch erzählt wird: Seit 2021 sind bestimmte Abmahnungen kostenfrei, nämlich solche zu Informations- und Kennzeichnungspflichten im Onlinehandel und zum Datenschutz, für Unternehmen unter 250 Mitarbeitern. Werbeaussagen gehören ausdrücklich nicht dazu. Genau die drei Sätze oben bleiben also voll kostenpflichtig abmahnbar. Wer Ihnen sagt, Abmahnungen seien heute kein Thema mehr, redet von einer anderen Kategorie.
Und in Luxemburg?
Hier gibt es das deutsche Abmahnwesen nicht. Wer sich gestört fühlt, geht mit einer Unterlassungsklage vor das Bezirksgericht in Handelssachen, im Eilverfahren. Klagen können Mitbewerber, die ULC und das Europäische Verbraucherzentrum. Wird eine gerichtliche Anordnung missachtet, reicht die Geldstrafe von 251 bis 120.000 Euro.
Der Teil, der für einen Shop meist schwerer wiegt als das Geld: Das Gericht kann anordnen, dass das Urteil auf Ihre Kosten veröffentlicht wird. Und die Beweislast liegt bei Ihnen. Sie müssen belegen, dass Ihre Angabe stimmt, nicht der Kläger, dass sie falsch ist.
Warum der übliche Rat nicht funktioniert
„Schreib der KI einfach in die Anweisung, dass sie das nicht darf.“ Klingt vernünftig. Wir haben es gemessen, an unserem eigenen Kanal, nicht bei einem Kunden.
In der Anweisung stand wörtlich, das Modell dürfe keine Zahlen und keine Werbetexte erfinden, die nicht im Skript stehen. In vier von fünf Läufen hat es genau das trotzdem getan: erfundene Zahlen, „TOP DEAL“, „Experten-Vergleich“. Nicht aus Böswilligkeit, sondern weil Werbung nun einmal meistens so aussieht und das Modell die Aufgabe gut erfüllen wollte.
Ein Verbot in der Anweisung ist keine Bremse. Es ist eine Bitte, die in achtzig Prozent der Fälle ignoriert wurde.
Wie eine echte Bremse aussieht
Unten steht der Filter, den wir vor unsere eigene Produktion hängen. Tippen Sie einen Satz ein, den Sie so auf Ihrer Seite stehen haben könnten, oder klicken Sie ein Beispiel an. Sie sehen sofort, ob er durchgeht, und wenn nicht, an welcher Stelle und wegen welcher Regel.
Alles läuft in Ihrem Browser. Nichts wird gespeichert, nichts an einen Server geschickt.
Das rechte Profil ist unser eigenes, gekürzt. Beim Umschalten wechselt das komplette Regelwerk.
Oder ein Beispiel anklicken:
Regelklassen
Jede Klasse lässt sich einzeln abschalten. Das Ergebnis oben ändert sich sofort. So sieht eine Regeldatei aus, bevor sie in eine Datei geschrieben wird.
Was außerhalb der Textprüfung eingestellt wird
Kein Text-Muster, sondern Verhalten. Die erste Zeile ist der eigentliche Unterschied zwischen den beiden Profilen.
Das Entscheidende daran sind nicht die Regeln selbst, sondern dass Sie sie oben umschalten können. Die Regeln stehen in einer Datei, nicht in einer Anweisung an die KI. Sie können sie lesen, Ihre Anwältin kann sie lesen, und sie entscheidet jedes Mal gleich.
Zwei Termine, die Sie im Kalender haben sollten
2. August 2026, bereits vorbei. Seit diesem Tag gelten die Transparenzpflichten der KI-Verordnung. Wer KI-generierte Inhalte veröffentlicht, muss sie erkennbar machen. Eine Automatisierung, die das mal setzt und mal vergisst, ist schlechter als gar keine, weil sie die Lücke erzeugt und gleichzeitig das Gefühl, es sei geregelt.
27. September 2026, in fünf Wochen. Dann greift die EmpCo-Richtlinie. Pauschale Umweltaussagen ohne anerkannten Nachweis sind unzulässig, und Klimaneutralität, die allein auf Kompensation beruht, ebenfalls. In Deutschland steht die Umsetzung bereits im Bundesgesetzblatt.
Ein To-do, das Sie heute machen können, ganz ohne uns: Suchen Sie Ihre Produkttexte einmal nach „nachhaltig“, „klimaneutral“, „umweltfreundlich“ und „CO2-neutral“ ab. Alles, was Sie nicht mit einem Nachweis hinterlegen können, muss bis zum 27. September weg oder konkret werden. „Aus FSC-zertifiziertem Holz“ ist konkret. „Nachhaltig produziert“ ist es nicht.
Was wir machen, wenn Sie uns holen
Drei Schritte, im Klartext:
- Wir gehen einmal durch Ihre Texte und sagen Ihnen, was auffällt und was davon dringend ist. Ein bis zwei Tage.
- Wir schreiben Ihre Regeln in eine Datei, die Sie und Ihre Anwältin lesen können. Nicht in eine Anweisung an ein Sprachmodell, sondern in etwas Nachprüfbares, das sich nicht von selbst ändert.
- Wir hängen die Prüfung vor die Veröffentlichung. Ab dann geht kein Text mehr raus, der gegen Ihre eigenen Regeln verstößt, und Sie sehen bei jedem blockierten Text, welche Regel gegriffen hat.
Festpreis, vorher gemeinsam vereinbart. Die meisten ersten Abläufe sind in ein bis drei Wochen live. Sie müssen danach nichts selbst bedienen, und Ihre Regeln und Daten gehören Ihnen, auch wenn Sie irgendwann ohne uns weitermachen.
Das ist ausdrücklich keine Rechtsprüfung. Wir sind keine Anwälte und ersetzen keine. Wir sorgen dafür, dass das, was Sie oder Ihre Anwältin entschieden haben, im laufenden Betrieb auch eingehalten wird, jeden Tag, ohne dass jemand daran denken muss.
Wenn Ihnen beim Lesen ein bestimmter Satz auf Ihrer eigenen Seite eingefallen ist
Dann ist das genau das Gespräch, das wir gerne führen. Wir schauen uns an, wo bei Ihnen Texte entstehen, wo die Bremse fehlt und was der erste Ablauf wäre, der sich rechnet.
Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung und keine Prüfung Ihres konkreten Falls. Die genannten Beträge sind übliche Größenordnungen aus der Praxis, keine Zusagen, und der Einzelfall kann deutlich darunter oder darüber liegen. Für eine belastbare Einschätzung brauchen Sie eine Anwältin oder einen Anwalt, und wir arbeiten gerne mit Ihrer zusammen. Stand der genannten Fristen und Rechtsgrundlagen: 21. August 2026.